34. Holzbau-Statiker-Stammtisch am 26. März 2026 Fa. Graf Holztechnik – Horn
Der 34. Holzbau-Statiker-Stammtisch fand am 26. März 2026 bei der Firma Graf Holztechnik in Horn (Niederösterreich) statt. Im Mittelpunkt standen dabei praxisnahe Themen der Tragwerksplanung und des Ingenieurholzbaus. Das Thema lautete: „Schwinden & Quellen bei BSH: querzuggefährdete Bauteile – theoretische Grundsätze & praktische Umsetzung“.
Nach der Begrüßung und einem kurzen Einblick in das Unternehmen durch den Geschäftsführer der Graf Holztechnik GmbH, DI Roland Ernst, ermöglichte ein Rundgang durch das Unternehmen einen beeindruckenden Einblick in die Produktion und Umsetzung des Unternehmens. Dabei wurden das neue architektonisch herausstechende Bürogebäude der Fa. Graf Holztechnik sowie die Produktion und Vorfertigung des Holzbaus besichtigt.
Dabei wurde anschaulich auf die maschinelle Ausrüstung sowie die Vision einer möglichst weitreichenden Vorfertigung von Holzkonstruktionen eingegangen.
Zurück im Seminarraum begann der 34. Holzbau-Statiker-Stammtisch wie gewohnt mit einem kurzen Rückblick auf den vergangenen Stammtisch durch Jörg Koppelhuber sowie der Vorstellung der Teilnehmer:innen aus Planung, Ausführung und Industrie.
Im Mittelpunkt des Stammtisches standen drei Fachvorträge von Experten der Holzbau-Branche zum Thema „Schwinden und Querzug im Holzbau aus unterschiedlichen Blickwinkeln“.
Im ersten Vortrag ging DI Markus Detter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Mechanics of Materials and Structures der TU Wien, in seinem Vortrag mit dem Titel „Feuchte und Rissbildung im Holzbau: Kann Modellierung Antworten liefern?” auf die häufigsten Ursachen von Schäden in weitgespannten Holzkonstruktionen und den Zusammenhang mit dem Thema Holzfeuchte ein. Neben den Grundsätzen zum Feuchtetransport im Werkstoff Holz zeigte er anhand eines entwickelten Modells die kritischen Zeitpunkte und Phasen, die sich mittels Modellierung leichter erkennen und bei konsequenter Betrachtung vermeiden lassen. In seiner Betrachtung ging er auf unterschiedliche Querschnitte und Trägerformate von BSH ein. Abschließend zeigte er einen möglichen Umgang mit Spannungssingularitäten auf.
Im zweiten Vortrag vermittelte DI Gernot Pirnbacher von der Wörle Sparowitz Ingenieure ZT GmbH in Graz in „Querzug in der Praxis – Diskussion an Fallbeispielen“ die grundlegenden Zugänge zum Thema Feuchteeinwirkung und Querzug. Dabei ging er durch die Diskussion und Fragen an die Teilnehmenden auf mögliche Auswirkungen bei Nichtbeachtung ein. Gemäß seinen Ausführungen – und auch entsprechend der Meinung der Teilnehmenden – ist ein mögliches Auftreten von Querzug vor allem als wesentliches Entwurfskriterium zu betrachten. Querzug ist oftmals unerkannt und „unversorgt“ sowie unterschätzt, wodurch er schadensrelevant werden kann. Seine Ausführungen gingen vor allem in die Richtung einer bauweisen- und materialgerechten Konstruktionsweise im Detail, welche auch die jeweiligen Klimabedingungen berücksichtigt. Seine konkreten Beispiele und Hinweise veranschaulichten diese Notwendigkeit sowie einen ingenieurmäßigen Zugang deutlich.
Abschließend zum Vortragsteil präsentierte DI Georg Stelzhammer, der als „Hausherr“ und Ausführender der Graf-Holztechnik GmbH mit seinem starken Praxisbezug aus der statisch-technischen Projektbearbeitung als Abteilungsleiter Statik bei Graf-Holztechnik sowie seiner aktiven Mitwirkung im Ingenieurholzbauverband überzeugt, die technischen Möglichkeiten in der praktischen Sanierung. Dabei ging er neben den Grundsätzen auftretender Querzugprobleme in Projekten vor allem auf die Ursachen sowie die Möglichkeiten der Sanierung und Verstärkung mittels Verklebung ein. Die häufigsten Schäden in konkreten Konstruktionen sowie die Instandsetzung mittels Rissverfüllung und das zu erreichende Ziel bildeten dabei den Kern seines Vortrags. Seine anschauliche Darstellung der konkreten Sanierungsschritte mit möglichen Produkten sowie die essenzielle und umfassende Dokumentation rundeten neben seiner Ausbildung zur Sanierung den Vortrag ab.
Im Anschluss an den fachlichen Teil und die intensiven Diskussionen fand – wie beim Holzbau-Statiker-Stammtisch seit jeher üblich – ein geselliges Beisammensein statt. In entspannter Atmosphäre wurden im firmeneigenen Sozialraum des neuen Bürobaus der Firma Graf Holztechnik die zuvor behandelten Themen weiter vertieft, Erfahrungen aus laufenden Projekten ausgetauscht und neue fachliche Fragestellungen diskutiert. Gerade dieser offene Stammtischcharakter, bei dem sich Tragwerksplaner:innen, Ausführende und Industrievertreter:innen auf Augenhöhe begegnen, macht den besonderen Wert der Veranstaltungsreihe aus und ermöglicht einen direkten Wissenstransfer, der weit über die eigentlichen Vorträge hinausgeht.
Was ist der Holzbaustatiker-Stammtisch?
Der Holzbau-Statiker-Stammtisch wurde im Jahr 2011 in der Steiermark – damals unter der Führung des Holzcluster Steiermark, später proHolz Steiermark – als Informations- und Austauschplattform für Holzbau Statiker:innen und Tragwerksplaner:innen des Holzbaus ins Leben gerufen. Nach dem Motto „Aus der Praxis – für die Praxis“ treffen sich die (fast ausschließlich) im Holzbau tätigen Tragwerksplaner:innen aus ganz Österreich – d.h. ausschließlich Ziviltechniker:innen sowie Statiker:innen produzierender und/oder ausführender Unternehmen der Holzbranche – in regelmäßigen Abständen 2 bis 3 x pro Jahr an unterschiedlichen Standorten in Österreich und tauschen sich zu verschiedenen Themen der Holzbau-Statik auf sehr hohem und vor allem praxisnahen Niveau aus.
Am mittlerweile durch die österreichische Holzbauplattform bzw. dem Fachverband der Holzindustrie veranstalteten und seit Beginn an durch Jörg Koppelhuber und Helmut Stingl durchgeführten Holzbau-Statiker-Stammtisch nehmen im Durchschnitt 30 bis 40 Personen teil, welche einerseits durch Inputvorträge Neues im Bereich der Normung, Statik und Detail- sowie Materialentwicklung erfahren, aber vor allem durch intensive Diskussionen und Inputs aus den eigenen Büros und produzierenden (ausführenden) Unternehmen der Holzbranche das immer größer und komplexer werdende Themenfeld der Holzbaukonstruktion in all seinen Facetten beleuchten, diskutieren und gemeinsam weiter entwickeln. Zahleiche sehr fachspezifische holzbauliche Themen wurden in der Vergangenheit bereits erörtert und damit der Erfahrungsaustausch gefördert. Viele weitere Stammtische mit visionären sowie alltäglichen Herausforderungen werden noch durch die Gemeinschaft der Holzbau-Statiker:innen die Aktualität des Holzbaus herausstreichen.

Für weitere Informationen zum Holzbaustatiker-Stammtisch oder eine Übersicht der bisherigen Themen kontaktieren Sie uns gerne unter office@koppelhuber-partner.at
